Dominikanische Republik – Luperon

… und hier liegen wir immernoch! Draußen pfeift der Wind, da bleiben wir besser in dieser herrlich geschützten Bucht liegen und sehen uns die Gegend an. Bei 8 Bft. müssen wir nicht zu den Bahamas aufbrechen. Was passiert so, wenn viele Langfahrer in einer Bucht liegen? Man kommuniziert, man hilft sich, man grillt zusammen, man tauscht Bilder und Informationen aus oder leiht ein Auto. Unsere erste Tat nach dem Ankommen: die Jonathan ist festgekommen und braucht Hilfe. Morgens klappt’s nicht aber mit dem Abendhochwasser, Blue Sun und einem weiteren Bootkommt sie frei. Frank schafft es, die Antenne unser Navtex-Anlage wieder in Gang zu bringen, Kalle geht dafür gern bei ihm in den Mast. Zwischendurch wird einklariert. Deutlich rustikaler als auf den meisten Inseln der Karibik, für das Ausfüllen der diversen Zettel sollte man viel Geduld mitbringen. Erst kommt der Commandante mit 2 Helfern an Bord. Am nächsten Tag dann Immigracion, Zoll und Port Authority. All dies hatten wir bereits in Samana. Alle sind sehr freundlich und sehr langsam. Aber wir sind ja nicht auf der Flucht. Der Dinghi-Steg ist gut frequentiert und wir hoffen, dass er noch lange halten möge. Die Stimmung ist hier prima, die Segler fühlen sich wohl und sicher und die Einheimischen freuen sich, dass sich ein paar zahlende Gäste in ihren Ort verirren. Die Hotelanlagen, die in Nähe des Bilderbuch-Strandes liegen, sind verwaist und zerfallen. Schade, bei der Lage! Die Yoga-Stunde, die auf der Terrasse einer Hotel-Ruine mit tollem Buchtblick stattfinden sollte, lassen Hanna und ich ausfallen als wir die diversen Nester an der Decke des Hotels entdecken. Wespen? Stechmücken? Bevor sich andere einfinden suchen wir mit dem Dinghi das Weite.
Maps me zeigt mir den Weg durch absolut einsame Ecken an den wunderschönen Strand wo Meer und Wellen rauschen. Das Wasser ist glasklar, die Palmen biegen sich im Wind und nur wenige Menschen kommen hierher. Auf den Wiesen hinter den verfallenen Gebäuden grasen die Kühe.
Mit Brigitte und Frank mieten wir ein Auto und fahren nach Puerto Plata. Es gibt eine Seilbahn auf den 790 m hohen Berg mit dem Nationalpark Loma Isabel de Torres. Aber man kann auch mit dem Auto rauffahren. Brigitte lotst uns mit Maps me. Über abenteuerliche Straßen mit heftigen Schlaglöchern und Haarnadelkurven kommen wir schließlich oben an. Kühl ist es, aber die Aussicht ist grandios! Ein toller Blick über die Stadt und auf die Seilbahn, ein schöner Wanderweg rundherum. Leider ist das Wetter etwas durchwachsen, sonst wäre der Blick noch besser gewesen. Von hier sehen wir unser nächstes Ziel, das Fortaleza de San Felipe. Direkt am Meer liegt es, in einem schön angelegten Park am Hafen. Die Touristenbusse stauen sich als wir ankommen und die vielen Souvenirverkäufer freuen sich. Eine Statue des allgegenwärtigen Generals Luperon ist vor dem Fort zu sehen, ein alter Leuchtturm und eine riesige open-air Bühne. Wir essen Pizza: die Kellnerin ist süß anzusehen und nett wie alle hier, die Pizza mäßig, aber der Blick auf Straße, Meer und Promenade nett. Dann geht’s zum Großeinkauf im Supermarkt.

Für alle interessierten Segler: direkt hinter der Promenade ist der Markt, rechter Hand, wenn man vom Fort Richtung Osten fährt nur wenige Meter. Der Markt ist sehr gut sortiert. In Luperon bekommt man auch sehr viel, nur nicht immer ganz so europäisch, weniger Auswahl und man muss halt etwas suchen. Die kleinen Läden sind gut. Es gibt einen Supermarkt (nicht so groß) bei dem auch der Geldautomat funktioniert. Nach der Schranke am Hafen links von Wendy die Straße immer weiter hoch.

Nach einem Hafentag wollen Kalle und ich nochmal los. Diesmal ein Ausflug mit dem Moped. Ohne Versicherung, Vertrag, Kaution und Helm, gegen Cash. Mit dem Auto war’s genauso, nach einem Führerschein hat auch niemand gefragt. Da würden doch vielen weniger Abenteuerlustigen die Haare zu Berge stehen. Wir fahren nach La Isabella, der ersten Stadt in der neuen Welt, gegründet von Christobal Columbus. Heute gibt es kaum noch Überreste, die Umrisse der Häuser sind mit Steinen nachgelegt. Das Museum und die Lage sind trotzdem sehr schön und von Columbus‘ Haus sind noch Überreste vorhanden. Wir sind uns nicht im Klaren über den weiteren Straßenverlauf: soll es wirklich diese Schotterpiste sein? Ja, soll es! Zwei Einheimische Jugendliche schwingen sich auf’s Moped und zeigen uns den Weg bis zum Abbieger. Ohne die Hand aufzuhalten! Die Leute sind wirklich klasse hier. Wir nehmen also den entsprechenden Abbieger und stehen nach kurzem – vor einem Fluß! Jetzt begreife ich, was mir der junge Mann auf Spanisch versucht hat, mit Händen und Füßen zu erklären. Kalle sieht kein Problem. Das Moped bekommt er da runter. Unten ist ein Floß, dass zu Fuß nach drüben gezogen wird, ein Moped mit Fahrer kommt gerade rüber. Wir gehen die Sache beherzt an und es klappt prima. Über einen weiteren Sandweg und viele schöne Nebenstraßen geht’s zum Traumstrand Playa La Ensenada bei Punta Rucia. Viele Einheimische gehenhierher die die diversen Restaurants und Liegen frequentieren. Das Essen ist lecker (auch wenn es auf dem Bild etwas rustikal daherkommt) und fliegende Händler bieten ihre Waren an. Nach einer rasanten Fahrt auf einer anderen Strecke sind wir schnell wieder in Luperon und mit müden Knochen an Bord. Die Dominikanische Republik ist ein großes Land und die Ausflüge ziehen sich.

Jetzt hat sich das Wetter verschlechtert. Ein Fleece-Shirt im Cockpit ist eine gute Sache! Der Wind pfeift und wir warten auf Wetter für die Bahamas.

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