Azoren – Sao Jorge

Bei leicht bedecktem Himmel laufen wir Sao Jorge an. Erst spät reist der Dunstschleier auf und die steilen Klippen kommen in Sicht. Die Insel ist rundherum steil und felsig, außerdem sehr lang aber nur 7 km breit. Es gibt hier nicht einen Vulkankrater sondern viele kleine nebeneinander die von einem Hochplateau umgeben sind. Als wir einlaufen steht schon der sehr nette Hafenmeister, José, an der Pier und ruft uns zu, wo wir liegen sollen. Das hilft in dem engen kleinen Hafen von Velas, so müssen wir nicht erst am Reception Pier festmachen. Wir melden uns gleich an, machen einen schönen Spaziergang durch den süßen, in die Felsen gebauten Ort Velas, und ich erklimme die Hafenmauer von der aus man einen schönen Blick auf den Hafen hat. Sao Jorge ist herrlich ruhig und verträumt gegen das lebendige und von Hochseeseglern beherrschte Horta. Bei Einbruch der Dunkelheit hört man nur das laute Geschrei der Vögel die in den Felsen leben die die kleine Marina umgeben.

Gleich am ersten Abend haben wir uns um ein Auto, Busfahrpläne und Wanderungen gekümmert. Jetzt geht’s los: die Wanderung Nr. 1 (vom Touristenbüro in Horta heiß empfohlen) führt uns nach  Faja dos Cubres. Der Ausblick vom Aussichtspunkt an der Straße lässt Gutes erahnen (siehe Anzeigebild). Kalle isst einen, leider nicht empfehlenswerten, Burger, ich kaufe Wasser und Schokoriegel. Die Auswahl ist begrenzt in der einzigen Kneipe, man sollte was mitbringen. Das Taxi kommt und bringt uns an den Startpunkt der Wanderung, ganz oben in den Bergen. Von hier guckt man auf die Südseite der Insel. Dann einige Meter bergauf über eine Kuhweide und von der Serra do Topo nur noch abwärts mit Blick nach Norden. Der Weg ist herrlich, die ganze Zeit eine prima Aussicht und sehr abwechslungsreich. Die Landschaft ist licht und freundlich mit der typischen Vegetation der Inseln. Die Hortensien sind hier oben noch nicht am blühen, erst später unten. Wir passieren einen kleinen Wasserfall – „klein“ weil wir etwas verwöhnt sind aus Guadeloupe und Guayana) – und weiter geht’s nach Faja do Caldeira de Santo Christo. Ein traumhafter Ort! Jedenfalls für absolut Ruhe suchende. Man kann hier Zimmer mieten und dort wandern, träumen, schreiben, meditieren, auf’s Meer gucken, in die Kirche gehen ……… und vielleicht fällt euch noch was ein. Eine Straße gibt es nicht, nur einen Weg für Quads. Bei Regen schlecht zu befahren. Von einem Restaurant oder Laden haben wir zumindest nichts gesehen. Weiter geht’s am Meer entlang, mal eher am Hang, mal unten, bis wir wieder in Faja dos Cubres ankommen. Eine herrliche Tour – zumindest wenn man so ein Glück mit dem Wetter hat wie wir. Zurück fahren wir durch die Berge über den Pico Alto 2. Erst durch Pequeno Norte, dann durch Grande Norte. Auch „Grande“ ist ziemlich klein. Die anschließende Fahrt auf einer schmalen Seitenstraße mitten durch die Berge ist super. Man fühlt sich wie in Bayern: ein dauerndes auf und ab durch Felder mit braunen und schwarz-weißen Kühen. Allerdings ständig mit wunderbarem Meerblick!

Am nächsten Tag ist es diesig. Wir starten trotzdem, positives Denken ist alles. Wir fahren nach NW und kommen nach Rosais. An der Kirche schlage ich Alarm: „sofort parken, aussteigen!“ Dort steht ein gigantisch geschmückter Ochsenkarren. Wir stehen im Nebel, denn die Wolken kommen immer tiefer, und sehen uns die Sache an. Ein netter Einheimischer erklärt uns, was passiert und wir bekommen Käse, süßes Brot und Wein angeboten. Es ist Sitte, alle Menschen die vorbeikommen, einzuladen. Der Ochsenkarren ist inzwischen wieder oben am Berg und jetzt startet die Prozession: mit Musik marschiert das ganze Dorf Richtung Kirche, der Ochsenkarren hinterher. Man erzählt uns stolz, dass das Dorf einen Preis für den Karren bekommen hat: die schönste Dekoration in den gesamten Azoren. Wir sind eher beeindruckt von den riesigen Ochsen! Die Rindviecher auf der Weide sehen dagegen wirklich klein aus. Der Nebel hält an und wir sehen gar nichts mehr, also fällt die NW-Tour aus und wir fahren zurück zum Boot, Jacke für Kalle holen. Dann wieder los, diesmal nach SO. In den Bergen ist es wieder nebelig aber in Topo, an der Südspitze, ist es klar, wenn auch grau. Wir gehen zum Leuchtturm, werfen einen Blick rüber zur Ihleu do Topo, der vorgelagerten kleinen Felseninsel, gehen selbstverständlich zum Hafen, der kaum als solcher zu bezeichnen ist, und – werden wieder zum Essen eingeladen! Diesmal ein richtiges traditionelles Pfingstessen, das in einem geschmückten Haus für alle Anwohner und alle vorbei laufenden Menschen stattfindet. Viele Einwohner haben Verwandte in Amerika und einige sind auch zu Besuch auf der Insel, daher sprechen viele Englisch. So haben wir die Chance, uns mit einigen zu unterhalten und erfahren viel über die Insel.

Fazit: eine sehenswerte Insel für alle, die Natur, wandern, Ruhe und Gemütlichkeit und einen wunderschönen kleinen Hafen mit einem super netten Hafenmeister mögen!

Im Hafen von Velas

 

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