Azoren – für uns die letzte Insel …

Terceira! Morgen wollen wir ablegen nach Brest – ca. 10 Tage rechnen wir. Nur noch ein paar frische Sachen kaufen und los geht’s!

Angra do Heroismo heißt die Stadt, in der wir jetzt liegen. Sie ist Weltkulturerbe, das zog uns hierher. Praia do Vitoria liegt näher zum Ziel aber wir sind froh, hier zu sein. Die Stadt ist wunderschön, alle alten Gebäude sind erhalten bzw. wieder aufgebaut nach dem letzten Erdbeben und sehr gepflegt. Direkt über dem Hafen thront die leuchtend blaue Misericordia Kirche. Wer verschläft wird von der Glocke geweckt – wer gut schläft, erst um 8 Uhr! Auf der anderen Seite des Hafens liegt die Festung Sao Sebastiao, die zum Hotel umgebaut wurde.  Auf der Hafenmauer wurde ein Jogging-Weg angelegt. Hier sieht man jeden Abend wie fleißig gewalkt wird, joggen ist eher selten. In den hübsch gepflasterten Straßen der Altstadt gibt es viele Boutiquen, Restaurants und Bars. Nach langer Zeit mal wieder eine richtige europäische Stadt – und das ganze noch zu portugisisch günstigen Preisen. Herrlich! Dies macht natürlich kein Weltkulturerbe aus, das sind die verschiedenen schönen Kirchen, Herrenhäuser, Festungen und die gesamte wunderschöne Anlage der Altstadt.

Am Morgen des ersten Tages giesst es. Nach dem Frühstück gehen wir trotzdem los durch die kleinen Gassen und werden pitschnass. Bei Galao (portugisischer Michkaffee) und einem Baguette trocknen wir etwas und dann klart es auf. Sofort nutzen wir die Gelegenheit und wandern zur Festung von Sao Filipe hoch. Das Fort wurde um 1592 erbaut und beherbergt auch heute noch Militär. Die Befestigungsanlage nahm einmal die gesamte Halbinsel Monte Brasil ein. Heute befinden sich dort Wanderwege, ein großer Spielplatz und Sportgeräte verschiedener Art. Der Blick auf Hafen und Stadt ist wunderschön.

Abends mache ich einen Ausflug mit dem Bus nach  Sao Matteus da Calheta. Hier findet eine Tourada a Corda statt.  Das ist eine harmlose Variante des Stierkampfes. Der Stier läuft an einer langen Leine durch einige abgegrenzte und geschmückte Straßen des Ortes und wird von 10 Männern an der Leine gehalten. Dies allerdings locker, der Stier wird nur zurückgezogen, wenn er am Ende des markierten Bereiches ankommt oder im Notfall. Junge Männer beweisen ihren Mut, indem sie den Stier mit Rufen und dem Schwenken von Jacken und bunten Tüchern reizen und vor ihm her rennen. Der Stier versucht, sie auf die Hörner zu nehmen und macht Jagd auf sie. Die Jungs müssen schon ganz schön schnell sein! Dem Stier passiert dabei nichts und es ist ein riesiges Spektakel mit enorm vielen Zuschauern die auf sämtlichen Mauern und Balkonen hocken und sich die Sache ansehen. Es gibt Donuts und anderes Gebäck zu kaufen, einige Stände am Straßenrand, Eis und Chipstüten.

Der Ort ist noch ein richtiges Fischerdorf mit einigen kleinen schnuckeligen Restaurants am Hafen. Da ich mir ja die Veranstaltung ansehen will, verzichte ich auf den Restaurantbesuch. Schade eigentlich. Ich ergattere einen Platz auf einem Balkon und sehe mir die Sache an. Es gibt auch viel Leerlauf und Pausen zwischendurch und so mache ich mich nach einer Stunde auf den 5 km langen Rückweg, sehr hübsch am Meer entlang. Der Bus fährt nämlich nicht mehr um die Zeit und ich möchte im Hellen ankommen. Kalle wollte nicht mit und hat inzwischen versucht, die Heizung in Schwung zu bringen. Sie läuft!

Vor lauter Begeisterung für die Stadt wollen wir den Rest der Insel nicht vergessen. Ab Serreta gibt es einen Rundwanderweg in die Berge. Der Bus Nr. 1 fährt durch immer ruhiger und ländlicher werdende Landschaft. Grüne Wiesen, Kühe, Felder, viele blühende Blumen am Straßenrand und in den Gärten. Auf der Küstenstraße ist die Sicht gut. Mehrere Wanderer steigen mit uns aus und los geht’s: immer steil bergauf – und bald schon sind wir von dicken Wolken eingehüllt. Leider bleibt es bis kurz vor dem Abstieg so. Der Weg führt durch dichten Wald und bemooste Büsche, später durch eine schmale, matschige Rinne hoch zum See Lagoinha. Vom Aussichtspunkt sehen wir einen kleinen Teil des Sees im Nebel. Den Gipfel ersteigen wir trotzdem. Da wir da oben allein sind wird ein Gipfelphoto mit Selbstauslöser gemacht. Abwärts wandern wir durch Wiesen und typische Vegetation der Inseln. Der Blick muss sehr schön sein, denn hier ist es offener als vorher im Wald, nur leider – alles Wolke. Unterhalb der Wolken warten wir bei trockenem Wetter auf den Bus.

Und hier noch ein paar Eindrücke aus dieser wunderschönen Stadt bevor wir uns auf den Weg nach Brest machen

Vasco da Gama auf dem Weg in die Stadt – er hat hier seinen Bruder beerdigt, der auf der Rückfahrt von Indien verstarb

Bis demnächst von der französischen Küste – in Brest vollenden wir unsere Atlantik-Runde! Von hier geht’s hoch die Küste entlang nach Norden in die Heimat.

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Azoren – für uns die letzte Insel …

  1. Gabie und Max says:

    Willkommen zurück in Europa! Genießt bitte ausgiebig diese wunderschöne Fahrt von Brest bis zurück nach Hooksiel. Alleine die Bretagne ist so schön!!! Max und ich sind diese Route auch schon gefahren, – allerdings damals 2008 mit der Abel Tasman, einem großen Traditionssegler!

    Bis bald …. in der Heimat! 🙂
    Gabie und Max

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