… und weiter bis Ramsgate

Auf Alderney ist es immer wieder herrlich!

Im Nebel laufen wir das altbekannte Roscoff an. Nach einer ruhigen Nacht geht es am Morgen weiter nach Peter Port auf Guernsey. Der Wind ist uns hold. Mit Genaker und Groß laufen wir flott auf die Insel zu. Ich suche die neue Gastlandflagge raus als Kalle ruft: „Komm sofort hoch!“ Durch die Seitenfenster sehe ich das Elend schon: der Spi, den wir als Genaker gesetzt hatten, treibt neben dem Boot. Mit vereinten Kräften bekommen wir ihn recht schnell auf’s Boot zurück und alles ist heil. Das Spifall war gerissen. Ein Tag zum pausieren, Spi trocknen und tanken und weiter nach Alderney.   

Die Seebrücke in Eastbourne …….
….. auf der es den Cream Tea gibt

Von hier überqueren wir den Kanal zur Isle of Wright. In der malerischen Meerenge bei den weißen Felsen der Needles ist ordentlich Strom und mit 10 Knoten Fahrt brausen wir auf Cowes zu. Wir bummeln durch die Gassen und erstehen eine neue Pütz in dem schönen Segelladen aus dem die alte stammte, die leider jetzt auf dem Meeresgrund vor St. Lucia liegt. Von Cowes ist es eine bequeme Tagesetappe nach Brighton wo Rayka und Marten an Bord kommen. Massen von Jugendlichen landen hier. Man merkt, dass Ferien sind und die Austausch- und Ferienschüler aus ganz Europa herströmen. Es gibt viele Trödelläden, abenteuerliche und bunte kleine Shops wie man sie sonst nirgends findet und eine lebendige Schwulen-Szene.

Mittelalterliche Möbel im Dover Castle
Blick vom Castle Richtung Kanal

Eastbourne ist das ganze Gegenteil. Kalle und ich senken den Altersdurchschnitt ungemein. Die Anlagen am Ufer sind gepflegt, auf der Seebrücke gönnen wir uns Cream-Tea, das sind Scones mit Erdbeermarmelade und Clotted Cream zum Tee. Bei meinem nächsten Besuch in Dover wollte ich mir gerne das Dover Castle ansehen. Der Besuch ist eine tagesfüllende Veranstaltung mit tollen Ausblicken über den Kanal bis nach Frankreich, die Stadt und den Hafen. Von mittelalterlichen Möbeln bis hin zu diversen Anlagen aus den beiden Weltkriegen ist viel zu sehen.

Herrliche Trödelläden direkt am Hafen
Auch Hausboote gibt es in diesem Tidenhafen
Am Wochenende steppt der Bär

Von hier segeln wir nach Ramsgate, einem Ort den wir noch nicht kennen. Ramsgate hat einen herrlichen Hafen mit toller alter Kulisse. In den Kasematten befinden sich Trödler, Restaurants und Galerien. Die Stadt hat gemütliche, schicke Pubs und einen Strand – endlich mal mit echtem Sand anstatt Kieseln. Auf den hohen weißen Klippen kann man auf einem Wanderweg die ganze Küste ablaufen. Ein schöner Ferienort, herrlich britisch, nicht zu teuer und super zum Entspannen. Hier planen wir unsere Fahrt nach London.

Am Strand – die weißen Stellen sind Kreidesteine, wie die hohen Felsen entlang der Küste

Ile d’Ouessant

Nach zwei diesigen Tagen in Camaret freuen wir uns, die Sonne mal wieder zu sehen. Leider springt zur geplanten Zeit der Motor nicht an – kein Diesel. Kalle reinigt den Filter zum Tagestank und wir starten eine Stunde später. Es reicht noch um rechtzeitig mit ablaufendem Wasser zur Ile d’Ouessant in die Baie de Lampoul zu kommen. Die Strömung und die Strudel auf der Ostseite der Insel sind enorm, es wird erst ruhiger nachdem der Leuchtturm zur Einfahrt passiert ist. Wir greifen uns eine Mooring und liegen schön ruhig. Später am Abend sind trotz Vorsaison alle Tonnen vergeben.

Nord-westlich vom Leutchtturm liegt die Baie de Lampoul

Über lange Eisenleitern geht’s hoch zur Straße in den kleinen Ort. Die niedliche Hauptstraße hat etwa 5 Läden und ist gefühlte 100 m lang. Imposant thront die große Kirche über allem, die auch vom Ankerplatz aus schon gut sichtbar war. Überall gibt es Mengen von Fahrrädern zu mieten und wir fragen uns, wann so viele Menschen kommen, dass auch nur die Hälfte gebraucht wird.

Ganz schön hoch bei Niedrigwasser!

Ein grauer Wandertag in den nördlichen Hafen folgt. Hier gibt es eine einzige Creperie und keinen Ort am Hafen der zum Verweilen einlädt. Es ist wirklich eine raue, unwirtliche Insel mit einem herrlichen Wanderweg rundherum entlang der beindruckenden Klippen. Abends reißt der Himmel auf, der Nebel verzieht sich und wir bekommen Sturm. Die Boote zerren heftig an den Mooringtonnen und es wird mühselig mit dem Dinghi an Land zu kommen.  

Im Osten der Insel

Der nächste Tag ist wieder herrlich sonnig. Wir machen uns auf gen Süd-Westen der Insel. Gute Idee, dieser Teil der Insel gefällt uns noch besser und gestern hätten wir zu wenig davon gesehen. Im Leuchtturm gibt es ein Museum, nur leider ist alles komplett französisch beschriftet. „Die Küste sehen wir morgen ja nochmal von See“ meint Kalle beim Spaziergang.

Starkwind am Ankerplatz

Am nächsten Morgen ist jedoch so dicker Nebel, dass wir absolut nichts sehen. Nur mit Hilfe unserer Instrumente geht’s in dickem Nebel mit unglaublich anstrengendem Geschaukel und Hilfe der sehr starken Strömung gen Roscoff. Am nächsten Morgen soll der Wind besser sein und wir bleiben über Nacht dort anstatt gleich nach Guernsey zu fahren.   

Süd-Westen der Insel

Es ist ein spannendes seglerisches Erlebnis, die Ile d’Ouessant anzulaufen. Der Tidenstrom muss unbedingt passen – und bitte nicht zuviel Wind, und den auch nur wenn die Richtung zum Tidenstrom passt.

Es gibt herrliche Blumen auf der kargen Insel
Die schöne Kirche prägt das kleine Dorf

Biskaya – gen Norden

Mit Flybe reise ich über Birmingham zurück nach La Rochelle. Von dem kleinen Flughafen gibt es keinen Bus um die Zeit und ich beisse in den sauren Apfel und nehme ein Taxi. Kalle steht im Wind an der Capitanerie und wartet auf mich. Mit blitzblankem Boot und fertigem Essen. Da fühlt man sich doch wieder zu Hause! In der Heimat sind die wichtigsten Dinge geregelt und ich hatte große Probleme mich wieder von Kindern, Enkelkindern und Freundinnen zu trennen.

Die Einfahrt in die Altstadt von La Rochelle

Kalle ist in der Zwischenzeit allein, „einhand“ sagt der Segler, von Lissabon die portugisische und spanische Küste entlang gesegelt bis nach Viveiro (im Norden von Spanien).  Von dort dann über die Biskaya nach La Rochelle. Die 2 ½ tägige Überfahrt verlief gut, nur das Anlegen war bei sehr heftigem ablandigen Wind nicht ganz einfach.

Der wunderschöne Markt von La Rochelle

Am nächsten Tag machen wir eine schöne Radtour an der Küste entlang und essen die bisher leckersten Muscheln meines Lebens in einer einfachen Strandkneipe mit Selbstbedienung und Take-away. So toll hatten die einfachen Alu-Schalen wirklich nicht ausgesehen! Dann kommt der vorhergesagte Sturm:  bis 79 kn Wind im Hafen. Dazu heftige Regenschauer. Der Sturm zerlegt einen Fender, sonst ist alles gut. Die Crew des Katamarans auf der anderen Seite des Steges hat weit mehr zu kämpfen, der Kat bietet sehr viel Angriffsfläche für den Wind und ist zu groß dimensioniert für diesen Steg.

Sturm im Hafen
…. mit heftigen Schauerböen

Viele Kats werden in La Rochelle zu Wasser gelassen, fertig ausgerüstet und den Eignern übergeben. Der Sturm zieht durch, der Fender ist ersetzt und wir machen uns auf den Weg gen Norden. Diesmal unter der Brücke hindurch die die Ile de Rhe mit dem Festland verbindet.

Durchfahrt unter der Brücke

Abends machen wir planmäßig in der Marina von Port Joinville, Ile d’Yeu, fest. Wir wandern ein bisschen, ich stürme eine der kleinen Boutiquen und erstehe 2 Pullover zum Schnäppchenpreis und an einem der vielen Marktstände kaufen wir noch ein Stück Fleisch in Sülze – leider kein Schnäppchenpreis aber echt lecker.

Ausflug nach Port de la Meule

Eine schnelle und sonnige, wenn auch sehr kalte, Reise bringt uns zur Belle Ile, die ihrem Namen Ehre macht. Wir ankern in einer herrlichen Bucht und verholen morgens an die Mooring-Tonne vor dem Hafen mit Blick auf das riesige Kastell. Bei passendem Hochwasserstand geleitet uns das Boot vom Hafenmeister durch die Schleuse zum Liegeplatz.

Boote werden zur Schleuse geholt – alles schön nach Plan der Reihe nach
Im Außenhafen ist immer was los

Die Radtour nach Sauzon führt durch kurze steile Hügel. Die Landschadt ist herrlich, der trockenfallende Hafen auch, nur das Wetter lässt uns im Stich. An Kalle’s Fahrrad geht ein Pedal zu Bruch und im Nieselregen radeln wir zurück zum Hafen.

Im Hafen von Sauzon

Beim Ausflug nach Locmaria lächelt die Sonne wieder – nur die Hügel sind steil wie zuvor. Den wunderschönen Klippenweg an der Westküste kann man leider nur ohne Fahrrad bewältigen. Wer wandern mag, sollte also den Bus vom Hafen an die Westküste nehmen und dann wandern. Das ist auf dieser Insel wahrscheinlich am schönsten. Toll ist auch die riesige Festung auf beiden Seiten des Hafens und die unendlich vielen kleinen Restaurants und Läden am Hafenbecken von Le Palais.

Das Rathaus von Locmaria
Direkt neben den Seglern verlässt ein Schiff die Pier, …
…. und passt knapp durch die Schleuse
Das muss geübt sein!
Der Fischkutter hat es leichter

Auf der Ile de Groix ist es diesmal sehr leer im Hafen – und leider auch recht trüb. Man spürt überall dass noch Vorsaison ist. Das spart Geld in vielen Häfen und es ist nicht so voll obwohl wir auch in der Hochsaison immer untergekommen sind. Nach einem Spaziergang zur anderen Seite der Insel geht’s weiter nach …

Diesmal liegen keine 8 – 10 Boote an einer Mooring vor der Ile de Groix

Benodet. Nach langer Zeit kreuzen wir mal wieder. Eigentlich ein herrlicher Segeltag – wenn es nur nicht so kalt wäre. Ein bisschen Haushalt steht auf dem Programm: waschen und einkaufen. Es bleibt aber noch Zeit für einen Fahrradausflug am Ufer entlang…….

Abendlicht im Hafen von Benodet

…… bevor wir am nächsten Tag weitersegeln durch die Raz de Sein nach Camaret-sur-Mer wo wir heute noch vor Anker liegen bevor es weitergeht zur Ile d’Ouessant.

Auf dem Weg nach Camaret
Am Sonntag ist Markt in Camaret-sur-Mer
Am ersten Abend vor Anker – ein herrlicher Sonnenuntergang
bevor das Wetter sich eintrübte

Lissabon

Diese Stadt ist im April eine eher frische Angelegenheit. Heute haben wir erfahren, dass das miese Wetter um diese Zeit keine Seltenheit ist. Es ziehen viele heftige Schauerböen durch. Wenn die Sonne scheint brennt sie ordentlich und am Strand tobt das Leben – aber nur für abgehärtete Menschen und Surfer in Neoprenanzügen.

Am Strand von Oeiras

Bei unseren Ausflügen haben wir Glück mit dem Wetter: nach Cascais fahren wir mit den Bordrädern, nach Lissabon mit dem Zug. Die Tour nach Cascais hätte man lieber zu Fuß an den verschiedenen Stränden entlang machen sollen, das Fahren entlang der Promenade wird durch lange Strecken an Hauptstraßen unterbrochen. Hier gibt es noch nicht überall Radwege. Ansonsten werden Rad- und Laufstrecken am Fluß entlang fleißig ausgebaut. Die Aussicht ist überall herrlich.

Eindrücke aus Cascais

Cascais ist ein sehr schicker, trendiger Badeort und definitiv einen Besuch wert, Lissabon eine junge lebendige Stadt, die sich enorm entwickelt. Leider entwickelt sich der Strom der Besucher auch enorm. An allen für Touristen interessanten Stellen sind lange Warteschlangen. Sogar in dem wunderschönen Café in Belem, einem westlich gelegenen Stadtteil von Lissabon. Hier wollten wir einen kleinen Imbiss einnehmen nachdem wir lange im maritimen Museum unterwegs waren. Der Besuch des Museums lohnt sich!

Boote des Königshauses
Eines der ersten Wasserflugzeuge
Der Turm von Belem

Jetzt sitzen wir an Bord im strömenden Regen, die Heizung läuft, die Kuchenbude ist aufgebaut und draußen heult der Wind. Wir bekommen ständig Wellen- und Sturmwarnungen über Navtex von der ganzen Küste. Freitag soll es besser werden und Kalle will weiter gen Norden.

In Belem, Lissabon

Ich fliege morgen nach Hause. Dort werde ich endlich die kleine Hannah, mein viertes Enkelkind kennenlernen. Leider gibt es auch noch ein paar andere, unaufschiebbare Dinge zu regeln. Mal sehen, wie alles läuft und wann ich wieder dabei bin.

……. und dieser Beitrag stammt von letzter Woche. Ich bin also gut gelandet und Kalle ist inzwischen schon in Figueira da Foz.

Von Porto Santo über Sines nach Lissabon

Fix was los ….
… im Hafen von Porto Santo

So weit sind wir nicht gekommen: wir laufen wieder Porto Santo an. Das war auch geplant, aber eigentlich nur für eine Nacht. Die Welle war sehr viel heftiger als gedacht, ich seekrank und anschließend passte der Wind nicht mehr so gut für die Weiterfahrt. Wir bleiben also wieder einmal etwas länger auf dieser Insel. Wir liegen an der Mooring, diesmal auch ruhig. Das spart und wir gewöhnen uns das leichte Schaukeln erst gar nicht ab. Wir wandern viel und freuen uns als die Marretje mit Regina und Bernd einläuft. So haben wir noch nette Gesellschaft.

Kleine Stärkung vor der Tour
Herrlicher Ausblick und viel unberührte Natur
Wir haben ihn gefunden – den Tunnel!
Bernd und Regina nach erfolgreicher Durchquerung
…. und so sahen meine Stiefel aus!
Eine Strandwanderung ist eine deutlich sauberere Angelegenheit

 Nach einigen Tagen passt der Wind und wir legen ab nach Sines, ans portugiesische Festland. Den ersten Tag fahren wir unter Motor gen Norden um am Rande des Sturmtiefs nordwestlich der Azoren in die Südwestwinde zu gelangen die uns Richtung Sines wehen. Der Plan geht gut auf. Die erste Nacht segeln wir durch, dann kommt wieder der Motor in Gang, leider läuft er auch die nächste Nacht durch aber dann läuft’s gut mit dem Segeln. Der Wind ist mit Spitzen von 35 kn etwas stärker als erwartet aber es läuft super trotz starkem Gegenstrom. Am Abend des dritten Tages laufen wir in Sines ein. Der Vorhafen ist riesig und es steht viel Schwell in der Bucht, die Marina ist ziemlich leer in der Vorsaison und schön ruhig. Wir suchen einen Liegeplatz und lassen uns den Anlegerdrink schmecken. Das Festland hat uns wieder.

Abendhimmel auf dem Atlantik

Die Marina ist nett und gepflegt, man kann auch ankern. Es gibt eine hübsche Promenade mit langem Strand davor und eine urwüchsige Altstadt mit einem Fort. Am Tage in der Sonne ist es frühlingshaft aber am Abend wird es empfindlich kühl. Auf dem üblichen Weg nach Süden im September/Oktober sind die Temperaturen angenehmer.

Eindrücke aus Sines

Nach einem Tag Pause wollen wir weiter bevor der Wind dreht. Bei Regen und viel Wind legen wir ab Richtung Lissabon. Es wird ein rauer Törn und eine schnelle Reise. Trotz zwei Reffs und Fock. Immer wieder ziehen dunkle Wolken über den Himmel. Der Regen lässt zwar nach aber die Wellen in der Einfahrt nach Lissabon sind so heftig und kappelig wie wir sie in den letzten Jahren noch nicht erlebt haben. Wir segeln im Hauptfahrwasser um viel Tiefe zu haben und trotzdem steigt eine Welle ein. Wenige Meter vor der Einfahrt zur Marina von Oeiras beruhigt sich das Wasser und wir können gegen den Wind einlaufen. Das Büro ist nicht mehr besetzt aber wir finden einen freien Liegeplatz und sind froh, als die Leinen fest sind. Das war ein harter Tag

Oeiras ist ein Vorort von Lissabon. Wir haben gute Erinnerungen an diese sehr nette Marina und freuen uns, wieder hier zu sein.

In Oeiras gibt es herrliche Surfer-Strände

Funchal, Madeira

Mit 3 anderen Booten sind wir gemeinsam in Santa Cruz de Tenerife gestartet. Bis kurz hinter Teneriffa gab’s heftige Fallböen und ansonsten wenig Wind und den dann von vorn. Am Abend des 2. Tages ruft uns die Häwelmann: der Diesel wird knapp! Wir haben noch einige Kanister an Bord und wenden. Das holländische Boot in unserer Nähe erkundigt sich sogleich, ob bei uns alles okay ist. Sehr nett von ihnen. Nach 11 nm treffen wir beim letzten Licht die Häwelmann und übergeben Barbara die Kanister. Super, dass es noch bei Tageslicht geklappt hat – und noch besser, dass Barbara es schafft, den schweren blauen Kanister beim ersten Versuch an Bord zu ziehen. Nun dampfen wir wieder gemeinsam Richtung Madeira. Über der Insel stehen dichte Wolken die tief in die Stadt Funchal hinunterziehen. Als wir einlaufen regnet es in Strömen. Das hatten wir auf dem gesamten Törn noch nicht. Nach 2 ½ Tagen, überwiegend unter Motor, liegen wir gemütlich mitten in Funchal.

In der Nähe der Busstation sind viele Galerien und Restaurants
Wunderschön bemalte Türen finden wir hier

Am ersten Tag: ausruhen, ankommen, wie üblich nach einer längeren Seestrecke. Dann mieten wir ein Auto für zwei Tage. Am ersten Tag ist uns das Wetter einigermaßen hold und wir gehen wandern. Mit dem Auto auf das Plateau Paul da Serra und über die befestigte Piste runter zum Café und Forsthaus Rabacal. Von dort über Treppen und Bergwege und an verschiedenen Levadas entlang zum Risco Wasserfall. Eine ziemlich nasse Angelegenheit wenn man ganz dicht zum photografieren rangeht aber ein toller Blick. Ich marschiere noch weiter bis zu den 25 Fontes, einem runden Pool in den diverse Wasserrinnsale über die Felsen laufen. Ich versuche zu zählen aber ob es wirklich 25 sind ist schwer erkennbar.  

Am Wegesrand nach Rabacal
Bäume beim Forsthaus Rabacal
Am Risco Wasserfall
An meinen Fuß sieht man die Breite des Weges ……
….. zu den 25 Fontes
Die Levada fließt eine Treppe runter

Abends kommen wir in Camara do Lobos an, sehen uns den Ort an und essen lecker Fisch. Gut, dass wir diesen Tag bis zur letzten Minute genutzt haben, am nächsten regnet es. Wir sehen uns trotzdem noch ein paar Ecken der Küste an und fahren zurück durch die Berge aber bei strömendem Regen ist es nicht so prickelnd. Gut, dass wir die herrliche Landschaft schon vor 3 Jahren gesehen haben. Im Frühling blüht hier natürlich viel mehr und die Insel macht dem Namen „Blumeninsel“ alle Ehre aber im Herbst war es sehr viel besser zum wandern und außerdem deutlich wärmer.

Der Leuchtturm an der Westspitze der Insel
Blühende Jacaranda-Bäume im Zentrum von Funchal

Morgen haben wir ein gutes Wetterfenster und segeln Richtung portugiesische Küste. Die Marina ist bezahlt, Einkäufe getätigt und das Boot klar. Bis bald!

Regenbogen über Stadt und Marina

….. gen Norden

Nachdem wir an der Südspitze von La Palma Böen von 55 kn Wind abbekommen haben, sind wir nach einer Nacht vor Anker vor dem Valle Gran Rey, in den Hafen von San Sebastian geflüchtet. Dort war’s ruhig und der Rest der Grippe hat sich endgültig verabschiedet. Ich habe die wieder hergestellte Fitness getestet und bin von Las Casetas durch den Parque Natural de Majona nach  Hermigua gewandert. Das Wetter hat sich nach einigen Tagen beruhigt und wir sind wieder durchgestartet: 30 kn Wind und das Schiff lief super. Leider nur ca. 3 nm. Ausgerefft, auf Genua gewechselt, immer langsamer geworden, gar kein Wind mehr, also: Motor an. Wenigstens haben wir mehrere Wale gesichtet. War aber nicht so doll nach den Walen vor der Dominikanischen Republik und auf dem Atlantik. Wir machen wieder in Las Galletas fest, wandern ein bißchen und warten auf guten Wind.

Abschied von den Kanaren – Playa de Teresitas nördlich von Santa Cruz

Barbara und Ove liegen in Santa Cruz de Tenerife und wollen am Mittwoch los nach Madeira. Nicht schlecht. Wir motoren also die Küste hoch. Der Wind ist knapp und kommt von vorn. Nach 2 entspannten Hafentagen mit einkaufen und Wäsche waschen (und trocknen – an dem einzigen Regentag seit langem) geht’s weiter nach Madeira.  

Blue Sun beim Einlaufen in Santa Cruz,
photographiert von Barbara von der Hävelmann

….immernoch Tazacorte

Am Marktplatz von Tazacorte

Eine weitere schöne – und anstrengende – Tour führt von El Jesus durch den Baranco del Jurado hinunter an die Küste. Nur für schwindelfreie Wanderer geeignet! Auf der anderen Seite wieder die Klippen hinauf und dann wieder runter nach Poris de Candelaria, einem Dorf das komplett in eine riesige Höhle am Meer gebaut ist. Von dort geht’s wieder rauf zur Hauptstraße nach Tijarafe. 

Tour nach Candelaria
Im Café in Puntagorda finde ich meinen Lieblingsvogel – und eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Tazacorte
Vor der Kirche ist es ruhiger – und der Blick auf Berge und Küste ein Traum

Auch traumhaft schön: die nordwestliche Ecke der Insel. Von Puntagorda über Las Tricias nach Buracas. Dies ist die Gegend der Drachenbäume. Herrlich besonnt und mit Meerblick haben sich hier einige alternative Wohnformen etabliert und bieten am Wegesrand einiges an kleinen Tischen feil: gebrannte Mandeln, Schmuck, Obst. Die Mandeln sind super, hätte ich bloß mehr genommen! Auch ein Café gibt es, alles aus ökologischem Anbau. Das ist sicher sehr gesund aber für meinen Geschmack sollte ein Kuchen süß sein, dieser ist mir zu herb. Kalle trinkt vorsichtshalber nur Tee. Die Szene ist jedoch sehenswert, die Stimmung klasse und das hausgebackene Brot sieht gut aus.

Wandern im Tal der Drachenbäume

In Los Llanos de Aridane findet der Karneval unter dem Motto „Mexiko“ statt. Ein paar Stunden sehen wir uns die Sache an, dann wird es etwas viel mit Lärm und weißem und buntem Puder in dem die ganze Stadt in kürzester Zeit versinkt. Jetzt ahnen wir, was in Santa Cruz auf uns zukommt! Martina und Chris segeln wieder zurück zum „Carnival de los Indianos“ und so haben wir eine Basis dort. Wir nehmen den Bus. Es fahren Mengen an Sonderbussen und die Stimmung ist klasse. Viele sind richtig toll gekleidet: ein bisschen kolonial, ein bisschen Stil der zwanziger, und alle in weiß. Die ganze Stadt ist eine einzige Party-Meile. Überall Musik, tanzen und – weißer Puder! Gegen Abend machen wir uns Wort-wörtlich aus dem Staube und erwischen den letzten Bus nach Puerto Tazacorte. Ein tolles Erlebnis!

Kurz danach fühlt Kalle sich nicht gut: die Grippe hat ihn niedergestreckt. Ich glaube fest an meine regenerierten Abwehrkräfte aber nach 2 Tagen erlischt der Glaube: mich hat’s auch erwischt. Zu blöd, so krank haben wir uns beide lange nicht gefühlt. Fieber, heftige Rückenschmerzen, alles was man gar nicht braucht. Die Zeit vergeht. Das knappe Wetterfenster um nach Madeira zu segeln, schließt sich. Die Tiger Blue hat inzwischen die Leinen losgeworfen und ist zu den Azoren aufgebrochen, wir liegen weiter in Tazacorte. Irgendwann fühlen wir uns wieder halbwegs fit und brechen auf gen Osten, erstmal nach Gomera.  

Das Strandleben in Puerto Tazacorte ist wieder in Ordnung, von den gigantischen Wellen keine Spur mehr

Verkauf an der Promenade
Das gemütliche kleine Zentrum hinter dem Strand in meinem Lieblingsort auf den Kanaren

Wenn wir die Kanaren wieder hochsegeln bis Lanzarote wird der Windwinkel für Madeira besser. Und mit Glück können wir vielleicht direkt nach Portugal durchstarten, denn: Anfang September möchte Kalle wieder in Deutschland sein, sich um die Gesundheit, einen neuen Motor und andere Dinge kümmern. Ich wollte eigentlich schon Mitte März für einige Zeit nach Hamburg fliegen, möchte ihn aber nicht allein mit der langen Seestrecke sitzen lassen. An der Küste würde er auch alleine von Hafen zu Hafen segeln bis ich wieder da bin. Mal sehen, wie’s läuft.

Letzter Blick auf die Caldera im Abendlicht

Tazacorte, La Palma

Erste Nacht an der Tankstelle in Tazacorte

Puerto Tazacorte ist nicht nur ein aktiver Fischerhafen. Es gibt auch touristische Auflüge von hier: Wale und Delphine beobachten, Segeltörns, eine Kuttertour. Daneben einheimische kleine Boote für Tagestouren und weiter vorne die größeren Segelboote, die irgendwann einmal weiter wollen. Viele bleiben sehr lange hier – weil’s so schön ist und man sich einfach wohlfühlt in diesem total ruhigen gemütlichen Hafen, selbst wenn auf beiden Seiten draußen eine enorme Brandung tobt. Es gibt nette Restaurants am Hafen und im Zentrum des Ortes. Eine hübsche Promenade bringt einen dort hin, ca. 10 Minuten zu Fuß am schwarzen Strand entlang. Dort ist auch eine Apotheke, ein Laden mit den nötigsten Waren für’s tägliche, eine Boutique und mehrere Eisläden. Der Bus fährt einmal die Stunde in die höher gelegene Stadt Tazacorte und auch die Verbindung nach Los Llanos und Puntagorda ist gut. Nach Tazacorte kann man auch prima laufen. Super Dino liefert den Großeinkauf auf’s Boot. So kann man entspannt durch die Bananenplantagen zurück gehen. Von und nach Los Llanos klappt das auch aber da ist etwas mehr Energie gefragt. In Puerto Tazacorte ist eine herrliche Hippie-Szene mit Straßenmusik, Schmuckverkauf und Akrobatik an der Promenade.

In die Felsen am Flußbett sind einige Häuser gebaut
So sieht der Strand bei ruhigem Wetter aus

Eine unserer ersten Touren führt uns die steilen Klippen hinter den Restaurants hoch zum Aussichtspunkt El Time. Ein toller Blick von oben, aber den gibt’s hier öfter. Das beste: der Kuchen! Ich gebe zu, dass er wirklich sehr teuer ist, aber einfach sagenhaft lecker. Wir klettern noch ein bißchen höher und steigen dann steil ab durch die Plantagen. Im historischen Teil von Tazacorte liegt sehr passend – mitten in den Plantagen – das Bananenmuseum. Hübsch gemacht mit schönem Blick, allerdings alles auf spanisch und englisch. Sonst ist auf La Palma vieles auch auf deutsch beschrieben. Bei den getrockneten Chili-Bananen-Chips brauche ich das Haltbarkeitsdatum nicht im Auge zu behalten: nach einem Tag sind sie alle.

Blick auf den Hafen vom Wanderweg nach El Time
Abstieg durch die Bananenplantagen
Im Bananenmuseum
Bananenstaude ….
…. und Blüte

Am nächsten Tag sind besonders große Wellen angesagt. Wellen, kein Wind. Der Sturm ist viel weiter nördlich im Atlantik aber die riesigen Wellen donnern mit enormer Kraft auf die Küste. Besonders spektakulär soll das in La Bombilla am Leutturm, dem Faro de Punta Lava, sein. Also nichts wie hin. Martina und Chris sind inzwischen auch hier gelandet und wir machen uns gemeinsam auf den Weg. Mit dem Bus Richtung Puerto Naos, einem modernen Touristenort mit Hotel- und Appartmentanlagen, dann zu Fuß durch die Plantagen zum Meer. In dem verträumten Dörfchen La Bombilla rauschen bereits riesige Brecher an die Küste. Wir wandern am Leuchttturm vorbei über Lavafelder und an Bananenplantagen entlang und können uns an dem Blick nicht sattsehen.

La Bombilla
Am Leuchtturm hinter La Bombilla
…… und hier war ich wirklich froh, dass die Kamera wasserdicht ist!

Auch in Puerto Tazacorte sieht es bei dieser Brandung spektakulär aus. Die Promenade steht unter Wasser und ist voller Sand, die Brecher donnern an den sonst friedlichen Strand. Sowie sich das Meer beruhigt hat rücken die Bagger an: in wenigen Stunden ist das Chaos an Land beseitigt, nur das Wasser braucht etwas länger um wirklich wieder ganz friedlich und „badetauglich“ zu werden.  

Promenade und Strand von Tazacorte

Auf den Tag der Wellen folgt ein Tag der Felsen. Ich gehe wandern nach La Cumbrecita. Mit dem Bus zum Startpunkt am Info-Center und vorbei an blühenden Mandelbäumen, zur kleinen Kapelle Pino de la Virgen und hoch durch den Pinienwald. Weiter und weiter und weiter …… immernoch Pinien. Zwischendurch geht es rauf und runter und ich quere diverse Barancos. Der Wald wird lichter, die Felsen steiler – und ich freue mich, mehr Aussicht zu haben. Zu viel dichter Wald ist nicht so meine Welt, die dramatische Felslandschaft eher. Der Ausblick oben am Parkplatz (für diese Fahrt muss man sich rechtzeitig im Internet registrieren) entschädigt für den langen Anstieg. Eine traumhaft schöne kleine Runde auf einem sehr bequemen Weg. Nach dem Tag am Meer mit der tosenden Brandung fällt mir hier die Stille auf. Eine erstarrte Wald- und Steinlandschaft. Nur die Vögel sind zu hören, sonst absolute Stille. Einerseits erholsam, andererseits ein bißchen tot. Ich freue mich nach der langen Wanderung, wieder an Bord zu kommen. 

Rastplatz auf dem Weg nach La Cumbrecita
Ausblick von Cumbrecita

La Palma – La Isla bonita

Der Calima ist heftig geworden, die Bucht sehr unruhig, warm, windig und total diesig ist es. Eine unwirkliche Atmosphäre. Wir haben ein riesiges Gerödel mit dem Reitgewicht und es dauert bis wir draußen sind. Die See ist unruhig und kappelig, heftige Böen und Winddreher stören beim Segelsetzen. Die Luft ist während der ganzen Überfahrt voller Sand. Wir sehen weder Teneriffa noch Gomera und auch La Palma erst etwa 5 Meilen vor der Küste – und die Insel ist sehr hoch.

Im Zentrum von Santa Cruz de Palma
Die wunderschönen typischebn Balkone sind hier gut erhalten
Ein ganz normaler Kiosk

Der Hafen ist gut gelegen. Wenige Meter zur Innenstadt und eine nette Marina. Meist sind jedoch nur sehr wenige Boote da denn es gibt sehr viel Schwell im Hafen. Das Tor am Eingang hilft nicht viel aber man ist sich der Problematik bewusst und das Problem soll demnächst gelöst werden. Freitag und Sonnabend ist Musik in der open-air Kneipe der Marina. Die Stimmung ist schön urlaubsmäßig und man muss ja nicht jeden Abend früh in die Koje. Es gibt ansonsten viel zu sehen: jede Nacht die große Fähre, viele kleinere Frachter und immer wieder Kreuzfahrer.

Blick über die Wolken auf den Pico del Teide, Teneriffa
Die Caldera mit Wanderweg
Alles ist hübsch touristisch aufbereitet mit Info-Tafeln an allen markanten Stellen
Die Saline mit Leuchtturm
Reges Treiben mit Musik und Cidre auf dem Markt von Barlovento

Eine Woche lang teilen wir uns mit Martina und Chris ein Auto und machen tolle Touren: auf die Caldera zum Roque de los Muchachos, entlang der steil abfallenden Nordküste, zum Markt nach Barlovento und in den Süden zum Leuchtturm und der Saline von Fuencaliente. Ich bestehe auf einer Wanderung und wir haben herrliche Ausblicke über die karge Vulkanlandschaft. Kalle ist nicht so glücklich über den vielen schwarzen Sand durch den wir stiefeln. Die Felsen-Pools der Charco Azul sehen in der Realität nicht so grün aus wie im Prospekt aber die Umgebung ist toll. Der Wasserfall Cascada de los Tilos führt tatsächlich Wasser und die Wanderung durch den hohen Wald und zum Info-Zetrum lohnen sich. Die blühenden Mandelbäume an den Hängen sind herrlich und die vielen Aussichtspunkte an den gewundenen Straßen durch die Berge und an den steilen Küsten.  

Charco Azul
Cascada do Tilos – und hier …….
…… hatte die Kamera dann schon ein paar Wasserspritzer
In der Haupt-Einkaufsstraße

Für einige Tage genießen wir noch die wunderschöne lebendige Altstadt von Santa Cruz de la Palma, die für mich die schönste der Kanaren ist. Überschaubar, schön restauriert, gut zum Einkaufen. Einen Wermutstropfen gibt es leider noch: wir werden von einem Trick-Dieb um 95 € erleichtert. Wie’s funktioniert? Er wollte 2 € wechseln. Wir sind nette Menschen und wollten helfen. Ich hatte nur einen €, Kalle zückte auch seine Börse. Mein Portemonnaie hatte ich derweil in der Hand und offensichtlich nicht immer so ganz im Auge. Nachdem wir gewechselt hatten und der Mann sich überschwänglich bedankt hatte, packten wir die Portemonnaies wieder ein und fragten uns, warum er wohl wechseln wollte. Weit und breit war keine Parkuhr. Bei nächster Gelegenheit wollten wir Getränke bezahlen und stellten fest: alle Scheine waren weg! Wir haben den Täter später an einem Aussichtspunkt und auf dem Parkplatz wiedergesehen wo die Kreuzfahrer ihre Leihwagen zurückgeben. Er wollte gerade wieder wechseln.  

Einer meiner Lieblingsplätze: der Markt von Santa Cruz: frisch, toll anzusehen, gute Beratung
Wandern in der jungen Vulkanlandschaft im Süden der Insel
Der Leutturm an der Südspitze

In der Marina Santa Cruz, die ja sowieso starken Schwell hat, erleben wir vor unserer Weiterfahrt noch einen heftigen Sturm mit 60 kn Wind. In der Marina! Das hatten wir auf dem ganzen Atlantik nicht. Wir spannen Leinen quer über die Box zum nächsten Steg. Kalle aktiviert die alten Leinen mit den Ruckdämpfern und so lässt es sich aushalten mit all dem Geschaukel.

Blue Sun in der Marina von Santa Cruz

Der Sturm zieht durch und wir segeln weiter um die Süd-Spitze der Insel herum nach Puerto de  Tazacorte, einem herrlich entspannten Fischerhafen mit einer sehr schönen und ruhigen Marina.

Kurz vor dem Carneval de los Indianos gibt es fast nur noch weiße Sachen in Santa Cruz – wir sind gespannt – und ich habe mich schon mal eingekleidet